Worte haben keine Energie, solange sie kein Bild auslösen.

Virginia Satir

Systemische Strukturaufstellungen

Die systemischen Strukturaufstellungen, abgekürzt SySt sind eine eigenständige Methode der systemischen Aufstellungsarbeit, die von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd entwickelt wurde.

Mit dieser Methode lässt sich praktisch alles aufstellen, was sich durch Sprache ausdrücken lässt und die Begründer der Methode beschreiben Aufstellungen auch als transverbale Sprache.

Da der Hintergrund dieser Aufstellmethode ein lösungsfokussierter Ansatz ist, geht es in dieser Methode weniger darum, Ursachen von Problemen aufzudecken, als vielmehr Lösungsprozesse anzuregen und neue Perspektiven und Wahlmöglichkeiten zu eröffnen.

Ablauf

Jede SySt beginnt mit einem lösungsfokussierten Vorgespräch, um das Anliegen des Klienten herauszuarbeiten.

Anschließend übersetze ich die Fragestellung und das Anliegen so passgenau wie möglich in ein Aufstellformat. sprich, Gemeinsam, in Absprache mit dem Klienten, wird entschieden, welche Elemente in der Aufstellung gestellt oder gewählt werden.

Der Klient wählt anschließend Repräsentanten und einen Fokus (Repräsentant von sich in Bezug auf die jeweilige Fragestellung) und für die verschiedenen zu stellenden Elemente, und führt diese intuitiv in den Raum und externalisiert so sein inneres Bild.

Im nächsten Schritt setzt er sich an den Rand und kann aus der Beobachterposition heraus verfolgen, welche Veränderungen die Repräsentanten wahrnehmen und schildern.
Durch Veränderungen des anfänglichen Problembildes , kann er Antworten auf seine Fragen erhalten bzw. durch einen Perspektivwechsel neue Ideen entwickeln.

Allein die Beobachterposition als solche ermöglicht oftmals bereits neue Einsichten und Ideen.

Interessanterweise stellt sich bei den Repräsentanten eine sog. „repräsentierende Wahrnehmung“ ein, die es ihnen erlaubt, auch ohne jegliches Vorwissen, Veränderungen wahrzunehmen, die der Klient, bezogen auf sein Anliegen, als sehr stimmig erlebt.

Gegen Ende der Aufstellung, wenn sich ein Lösungsbild zeigt, tritt der Klient an die Stelle seines Fokus und hat die Möglichkeit, aus dieser „fortgeschrittenen Perspektive“ seiner selbst, das veränderte Bild in sich aufzunehmen und dort weiter wirken zu lassen.

Verdeckte und halbverdeckte Arbeit

Da Strukturen von Systemen aufgestellt werden, ist es auch möglich teilweise oder komplett verdeckt zu arbeiten, was in manchen Kontexten, wo der Klient in der Gruppe Diskretion bezüglich seines Anliegens bevorzugt, sinnvoll ist.

Teilweise verdeckt heißt, dass das Vorgespräch zur Aufstellung nur mit mir als Gastgeberin und nicht in Gegenwart der Gruppe geführt wird, komplett verdeckt heißt, dass ich auch das Vorgespräch verdeckt führe, sodass nur der Klient die inhaltliche Zuordnung der Repräsentanten kennt.

Interessanterweise werden in diesen Fällen, wo die Repräsentanten keine Kenntnis darüber haben, für wen oder was sie stehen, ihre Wahrnehmungsveränderungen vom Klienten oftmals als besonders passgenau erlebt.

Einzelarbeit versus Gruppe

Selbstverständlich ist es auch möglich, Aufstellungen in Einzelarbeit durchzuführen, indem man statt mit menschlichen Repräsentanten mit Bodenankern, z.B. Stühlen arbeitet und der Klient selber nacheinander die verschiedenen gestellten Positionen einnimmt und mittels repräsentierender Wahrnehmung Antworten auf seine Fragen erhält und selber erleben kann, wie es ist, an einer bestimmten Position zu stehen.

Mögliche Aufstellformate

Tetralemma-Aufstellung: bei Dilemmata und Zwickmühlen zwischen Entscheidungsalternativen.

Glaubenspolaritätenaufstellungen: um an der Modifikation und Auflösung von hinderlichen Glaubenssätze zu arbeiten oder um ein System mit Ressourcen zu stärken.

Lösungs- oder Zielannäherungsaufstellung: um an der Erreichung von Zielen und Lösungen zu arbeiten.

Problemaufstellung: um sich Einzelheiten, Hindernisse, übersehene Ressourcen und den verdeckten Gewinn eines Problems näher anzuschauen
Personenstrukturaufstellungen: (Familien, Teams oder Organisationen) um Konflikte und Beziehungsdynamiken zu klären.

Körperstrukturaufstellungen: (Organe, Körperbereiche, Symptome) um unbewusste Dynamiken von Erkrankungen und Symptomen zu klären. Es ist in diesem Zusammenhang auch möglich, Medikamente und Therapiemethoden ergänzend aufzustellen um deren Wirkung zu überprüfen (diese Aufstellungen führe ich nur durch, nach einer vorherigen Abklärung von ärztlicher Seite, sprich, die Aufstellung ersetzt keine medizinische Behandlung sondern versteht sich als hilfreiche Ergänzung und Unterstützung).

Supervisionsaufstellungen: Um sich z.B. die Art der Beziehung zwischen Berater und Beratungssystem näher anzuschauen oder auch um geplante Massnahmen und deren Auswirkung zu testen.

Kreative Projekte (Drehbuchstrukturaufstellungen)

uvm.

Unterschiede zu anderen Aufstellmethoden Familienaufstellungen

Haltung und Rolle der Gastgeberin

Ich verstehe mich in einer Aufstellung als Gastgeberin und nicht als Leiterin des Prozesses.

Das heißt, dass ich einen wertschätzenden, sicheren und geschützten Rahmen biete, in dem der Klient sich eingeladen fühlen darf, Antworten  zu finden und Lösungsperspektiven zu entwickeln und frei ist, seine eigenen Deutungen und Interpretationen des Bildes zu entwickeln.

Dabei nehme ich eine neugierige und offene Haltung des Nichtwissens ein und arbeite mit der Struktur des Bildes. Der Klient füllt diese Struktur mit seinen Inhalten.

Im Unterschied zu anderen Aufstellverfahren ist es nicht nötig, dass der Klient Einzelheiten seiner weit zurückliegenden Familiengeschichte kennen muss.

Es hat sich gezeigt, dass das, was relevant ist, in Aufstellungen auftaucht und man kann mit dem „Aufgetauchten“ arbeiten, auch ohne zu wissen, um wen oder was es sich handelt und wenn im Rahmen der Aufstellung Lösungsprozesse angeregt werden, dann sind diese wirksam, auch ohne Kenntnis der ursächlichen Details des Problems.

Was aufgestellt wird

Ich stelle Strukturen von Systemen auf und nicht die Systeme selbst, worin auch die Bezeichnung der Methode begründet liegt.

Es geht darum, dass in der Aufstellung die Struktur eines Bildes gestellt wird und diese weist Ähnlichkeiten und Entsprechungen zu dem auf, was abgebildet wird.

So kann beispielsweise ein aufgestelltes Element mehrere inhaltliche Ebenen beinhalten, ähnlich wie ein Symbol unterschiedliche Deutungsebenen in sich vereint. Eine Entscheidungsalternative kann gleichzeitig auch für einen bestimmten Wert stehen und für einen Elternteil. Ebendiese Mehrdeutigkeit ist erwünscht, da sie es ermöglicht, dass Veränderungen auf mehreren für das jeweilige Thema relevanten Ebenen wirksam werden können.

Da Strukturen von Systemen aufgestellt werden, kann eigentlich alles aufgestellt werden, was sich sprachlich ausdrücken lässt und nicht nur Personensysteme (Familien, Teams etc.) sondern alles, was für die Fragestellung relevant ist und man kann das aufgestellte Bild als Struktur der Fragestellung auffassen und die von den Repräsentanten wahrgenommenen Veränderungen als Antworten.

Vordergrund/Hintergrund

Im Unterschied zu anderen Aufstellverfahren geben SySt die Möglichkeit mit einer Art akzentuierter Bühnenbeleuchtung zu arbeiten, indem zwischen „gewählten“ und „gestellten“ Repräsentanten unterschieden wird.

Gestellte Repräsentanten befinden sich stehend im inneren Bereich des Bildes. Aus Gründen der Komplexitätsreduktion wird das „gestellt“, was am relevantesten für das Anliegen  erscheint.

"Gewählte" Repräsentanten werden, wie der Name sagt, gewählt und bleiben am Rand des Bildes sitzen und es zeigt sich während der Aufstellung, ob und inwiefern sie für das jeweilige Thema relevant sind, bzw. wie sie auf Veränderungen im Bild reagieren.

Aufstellungen als Test

Es ist auch möglich, innerhalb einer Aufstellung vor zu spulen und beispielsweise zu testen, wie sich bestimmte geplante oder angedachte Veränderungen oder Einflüsse und Maßnahmen auf das aufgestellte System auswirken.

Dies ist insbesondere bei Supervisions- und Drehbuchstrukturaufstellungen sinnvoll.

Neugierig?

Wenn ich Ihr Interesse geweckt habe, freue ich mich wenn sie Kontakt zu mir aufnehmen!

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